Diagnosekriterien

Anorexia nervosa

ICD-109 DSM-IV10
Körpergewicht von mindestens 15 % unter dem erwarteten Gewicht oder BMI von 17,5 oder weniger (bei Erwachsenen). In der Vorpubertät kann die erwartete Gewichtszunahme während der Wachstumsperiode ausbleiben. Weigerung, das Minimum des für Alter und Körpergröße normalen Körpergewichts zu halten.
Der Gewichtsverlust ist selbst herbeigeführt durch die Vermeidung hochkalorischer Nahrung sowie eine oder mehrere der folgenden Verhaltensweisen: selbstinduziertes Erbrechen, selbstinduziertes Abführen, übertriebene körperliche Aktivität, Gebrauch von Appetitzüglern oder Diuretika. Ausgeprägte Ängste vor einer Gewichtszunahme oder davor, dick zu werden, trotz bestehenden Untergewichts.
Körperschemastörung in der Form massiver Angst, zu dick zu werden, und einer sehr niedrigen persönlichen Gewichtsschwelle. Störung in der Wahrnehmung der eigenen Figur oder des Körpergewichts, übertriebener Einfluss des Körpergewichts oder der Figur auf die Selbstbewertung oder Leugnen des Schweregrades des gegenwärtigen geringen Körpergewichts.
Endokrine Störung auf der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (bei Frauen Amenorrhoe, bei Männern Libido- und Potenzverlust). Ein erhöhter Wachstumshormon- und Kortisolspiegel, eine Änderung des peripheren Metabolismus von Schilddrüsenhormonen und Störungen der Insulinsekretion können gleichfalls vorliegen. Bei Beginn der Erkrankung vor der Pubertät Störung der Abfolge oder Hemmung der pubertären Entwicklung. Bei postmenarchalen Frauen das Vorliegen einer Amenorrhoe.

Bulimia nervosa

ICD-1011 DSM-IV12
Andauernde Beschäftigung mit Essen, unwiderstehliche Gier nach Nahrungsmitteln sowie Essattacken, bei denen große Mengen Nahrung innerhalb kurzer Zeit konsumiert werden. Wiederholte Episoden von „Fressanfällen“, gekennzeichnet durch folgende Merkmale: Verzehr einer extrem großen Nahrungsmenge in einem relativ kurzen Zeitraum, dabei Gefühl des Kontrollverlusts über das Essverhalten.
Versuch, dem dickmachenden Effekt der Nahrung entgegenzusteuern durch selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, zeitweilige Hungerperioden, Gebrauch von Appetitzüglern, Schilddrüsenpräparaten und Diuretika. Wiederholte Anwendung von unangemessenen, einer Gewichtszunahme gegensteuernden Maßnahmen, z.B. selbstinduziertes Erbrechen, Missbrauch von Laxantien, Diuretika, Klistieren etc. sowie Fasten und übermäßige körperliche Betätigung.
Krankhafte Furcht davor, dick zu werden, bzw. eine selbstgesetzte Gewichtsgrenze weit unter dem prämorbiden oder „gesunden“ Gewicht. „Fressattacken“ und das unangemessene Kompensationsverhalten bestehen über mindestens drei Monate mindestens 2x wöchentlich.
Häufig besteht in der Vorgeschichte eine Anorexia nervosa. Figur und Gewicht haben einen übermäßigen Einfluss auf die Selbstbewertung.
Die Störung tritt nicht ausschließlich im Verlauf von Episoden einer Anorexia nervosa auf.

Binge-Eating-Störung

ICD-1011 DSM-IV12
Noch keine Diagnosekriterien vorhanden Forschungskriterien
  Wiederkehrende Episoden von „Essanfällen“ mit folgenden Merkmalen: Verzehr einer extrem großen Nahrungsmenge in einem relativ kurzen Zeitraum, dabei das Gefühl des Kontrollverlusts über das Essverhalten.
  Während der meisten Essanfälle treten mindestens 3 der folgenden Verhaltensindikatoren für Kontrollverlust auf: schneller essen als normalerweise, so viel essen, bis es zu einem unangenehmen Völlegefühl kommt, große Mengen essen ohne Hungergefühl, alleine essen aus Scham, nach dem Essanfall Gefühle der Scham, Schuld, Niedergeschlagenheit.
  Leiden unter den Essanfällen.
  Essanfälle durchschnittlich an mindestens 2 Tagen in der Woche über eine Zeitspanne von 6 Monaten.
  Kein regelmäßiges Kompensationsverhalten und keine Diagnose einer Anorexie oder Bulimie.

Quellen:

9. Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt M. (2011). Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien (8. überarbeitete Auflage). Huber: Bern.

10. Sass, H., Wittchen, H., Zaudig, M. & Houben, I. (2003). Diagnostische Kriterien DSM-IV-TR. Hogrefe: Göttingen.

11. Dilling, H., Mombour, W. & Schmidt M. (2011). Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien (8. überarbeitete Auflage). Huber: Bern.

12. Sass, H., Wittchen, H., Zaudig, M. & Houben, I. (2003). Diagnostische Kriterien DSM-IV-TR. Hogrefe: Göttingen.

Verfasst von: Dipl.-Psych. Katarina Rafailovic, Dr. rer. med. Kathrin von Rad, Dipl.-Psych. Maddalena Rossi, Dipl.-Psych. Angelika Weigel, Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Bernd Löwe, Prof. Dr. med. Georg Romer (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)

Datum der Erstellung: 27.06.2012

Datum der letzten inhaltlichen Überarbeitung: 30.08.2012

Datum der nächsten inhaltlichen Überarbeitung:30.11.2012

Kontaktperson: Dipl.-Psych. Maddalena Rossi m.rossi@uke.de