Prävalenz und Prognose

Anorexia und Bulimia nervosa sind psychische Störungen von großer gesellschaftlicher Bedeutung.

So geht aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert-Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, der zwischen 2003 und 2006 an 17.641 Mädchen und Jungen im Alter von 0 bis 17 Jahren durchgeführt wurde, hervor, dass Magersucht und Bulimie zu den häufigsten Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter zählen. Mit insgesamt 21.9% weist mehr als ein Fünftel aller 11- bis 17-Jährigen subsyndromale Symptome einer Essstörung auf2.

Mädchen und junge Frauen stellen eine besondere Risikogruppe für Anorexia nervosa dar. In der Altersspanne zwischen 15 und 35 Jahren liegt die Punktprävalenz bei 0.4%. Die Lebenszeitprävalenz in der Allgemeinbevölkerung wird mit 0.3 % bis 1.2 % angegeben. Unter Einschluss der atypischen Anorexia nervosa steigt die Punktprävalenz auf etwa 2.4%. Jungen und Männer sind lediglich im Verhältnis 1:10 bis 1:20 betroffen. Die Punktprävalenz für Bulimia nervosa liegt hingegen bei 0.9%, und die Lebenszeitprävalenz beträgt etwa 1.5%. Jungen und Männer sind im Verhältnis 1:9 von Bulimie betroffen3.

Anorexia nervosa ist bei jungen Menschen die psychische Störung mit der höchsten Sterblichkeit4. Die Mortalitätsrate ist also höher als bei affektiven Störungen wie der Depression und bei Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis5. Die Sterblichkeit bei der Bulimie liegt deutlich darunter6. Da aber beide Erkrankungen häufig mit erheblichen körperlichen und psychischen Folgeerscheinungen einhergehen7, ist eine möglichst zeitnahe Behandlung äußerst wichtig.

 

Quellen:

2. Holling, H. & Schlack, R. (2007). Essstörungen im Kindes- und Jugendalter. Erste Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). Bundesgesundheitsbl. 50, 794-799.

3. Fichter, M. (2010). Epidemiologie der Essstörungen. In: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen, 11-32. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf [Stand 30.08.2012].

4. Le Grange, D. & Loebe, K. (2007). Early identification and treatment of eating disorders: prodrome to syndrome. Early Intervention in Psychiatry, 1, 27-39.

5. Harris, E. & Barraclough, B. (1998). Excess mortality of mental disorder. British Journal of Psychiatry, 173, 11-53.

6. Fichter, M., Quadflieg, N. & Hedlund, S. (2008). Long-term course of Binge Eating Dirsorder and Bulimia nervosa: relevance and nosology and diagnostic criteria. International Journal of Eating Disorders, 41, 577-586.

7. Zipfel, S., Löwe, B. & Herzog, W. (2003). Medical complications. In: Treasue, J., Schmidt, U. & van Furth, E. (Hrsg.). Handbook of Eating Disorders (2nd ed.), 169-190. Chinchester: John Wiley & Sons.