Risikofaktoren

Mit zunehmender gesellschaftlicher Bedeutung von Essstörungen ist auch die Anzahl von Studien, die sich mit den Ursachen von Essstörungen befassen, gestiegen. In zahlreichen empirischen Untersuchungen konnte eine Vielzahl unterschiedlicher Risiko- und ätiologischer Faktoren für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen identifiziert werden. Ein Risikofaktor bezeichnet eine messbare Charakteristik einer Person in einer spezifischen Population, welche (a) einem Ereignis (z.B. Krankheitsbeginn) vorausgeht und (b) dessen Eintrittswahrscheinlichkeit erhöht.8

Risikofaktoren für das Auftreten der Anorexia und Bulimia nervosa

Anorexia nervosa Bulimia nervosa
Geburt
  • weibliches Geschlecht
  • nichtasiatische Ethnizität
  • Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt
  • weibliches Geschlecht
  • nichtasiatische Ethnizität
  • Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt
  • Geburten im Zeitraum zwischen April und Juli
Kindheit
  • gesundheitliche Probleme
  • Fütterungsschwierigkeiten, wählerisches Essverhalten bzw. anorektische Symptome
  • Konflikte bzw. Kämpfe um das Essen
  • Adoption bzw. Pflegeerziehung
  • Schlafstörung
  • Angststörung
  • überbehütender elterlicher Erziehungsstil
  • zwanghafte Persönlichkeit
  • sexueller Missbrauch
  • hohes Maß an Einsamkeit bzw. Schüchternheit
  • gesundheitliche Probleme
  • Fütterungsschwierigkeiten, zu geringe Nahrungsaufnahme bzw. Pica
  • Psychopathologie bzw. negative Affektivität (Angst bzw. Depression)
  • Überängstlichkeit
  • Schlafstörung
  • Adipositas
Jugend
  • jugendliches bis frühes Erwachsenenalter
  • übermäßige Sorgen über Figur und Gewicht bzw. Diäthalten
  • Neurotizismus
  • Akkulturation
  • übertriebenes Sporttreiben
  • körperdysmorphe Störung
  • Zwangsstörung
  • negativer Selbstwert
  • Perfektionismus
  • Treiben bestimmter Sportarten, in denen Gewicht und/oder Aussehen eine bedeutende Rolle spielen
  • Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen, in denen Gewicht und/oder Aussehen eine Rolle spielen
  • frühes Eintreten der Pubertät
  • Sorgen über Gewicht und Figur bzw. Diäthalten
  • negative Emotionalität bzw. generelle Psychopathologie
  • geringer Selbstwert bzw. Insuffizienzerleben
  • ungünstige Interaktionsmuster in der Familie
  • Neurotizismus
  • geringe interozeptive Wahrnehmungsfähigkeit
  • negative Lebensereignisse
  • vermeidendes Coping
  • geringe soziale Unterstützung
  • Akkulturation
  • sexueller Missbrauch
  • höhere sportliche Aktivität
  • ungünstiges Familienleben
  • Erleben negativer Kommentare über Gewicht bzw. Figur
  • familiäre Psychopathologie bzgl. Essstörungen, affektiven Störungen, Substanzmissbrauch bzw. Cluster-B-Persönlichkeitsstörungen

Quellen:

8. Jacobi, C. & Fittig, E. (2008). Psychosoziale Risikofaktoren. In: Herpertz, S., de Zwaan, M. & Zipfel, S. (Hrsg.). Handbuch Essstörungen und Adipositas. Heidelberg: Springer.