Ambulante Psychotherapie

Ambulante Psychotherapie bei Anorexia nervosa

Es wird empfohlen, Betroffene mit einer Anorexia nervosa einem speziell auf die Anorexia nervosa ausgerichteten psychotherapeutischen Behandlungsangebot zuzuführen (Evidenzgrad II)50. Die Wirksamkeit von Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, Kognitiver Verhaltenstherapie, Interpersoneller Psychotherapie und familientherapeutischen Verfahren bei Anorexia nervosa ist gut untersucht. In bisherigen Studien hat sich keine psychotherapeutische Methode der Anderen als überlegen gezeigt (Evidenzgrad Ib)51. Bei der Wahl der Methode zur Behandlung von Anorexia nervosa sollten die Präferenz der Patientin und ihr Alter berücksichtigt werden (Good Clinical Practice)52. Bei minderjährigen Patientinnen, die noch in ihrer Herkunftsfamilie leben, ist die Einbeziehung der Sorgeberechtigten bzw. naher Angehöriger zu empfehlen (Empfehlungsgrad B)53

Im ambulanten Setting sollte bei Anorexia nervosa eine wöchentliche Gewichtzunahme von 200-500g/Woche vereinbart werden (Good Clinical Practice)54. Das Wiegen kann entweder durch den Psychotherapeuten selbst oder in Kooperation mit der mitbehandelnden hausärztlichen oder fachärztlichen Praxis erfolgen (Good Clinical Practice)55.

Ambulante Psychotherapie bei Bulimia nervosa 

Patientinnen mit Bulimia nervosa sollten ambulant behandelt werden (Empfehlungsgrad B, Evidenzgrad Ia)56. Insgesamt weisen psychotherapeutische Verfahren eine gute Wirksamkeit auf. Die kognitiv-verhaltenstherapeutischen Verfahren (KVT) stellen die am intensivsten beforschte Psychotherapiemethode mit der höchsten Evidenz dar (Empfehlungsgrad B, Evidenzgrad Ia)57. Aber auch andere Psychotherapieverfahren wie psychodynamische Therapien und die Interpersonale Therapie (IPT) sind wirksam. Für die IPT liegen bislang nur kontrollierte Studien ohne Randomisierung vor (Empfehlungsgrad B, Evidenzgrad Ib)58; die Empfehlung zur psychodynamischen Therapie beruht auf Expertenmeinung (Empfehlungsgrad C, Evidenzgrad II)59. Da für die KVT bislang die stärksten Wirksamkeitsnachweise vorliegen, wird empfohlen, sie Patientinnen mit Bulimie als Therapie erster Wahl anzubieten. Auch die anderen Verfahren kommen in Frage, beispielsweise wenn KVT nicht zur Verfügung steht, nicht gewollt wird oder sich im individuellen Fall als nicht wirksam erweist.

Zur Gesprächspsychotherapie und Familientherapie liegen bislang keine randomisierten kontrollierten Studien vor. In der Behandlung von Kindern und Jugendlichen sollten die Familienmitglieder in die Therapie mit einbezogen werden (Good Clinical Practice)60
 

Quellen:

50. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12]. 

51. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12].

52. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12].

53. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12].

54. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12].

55. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12].

56. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12].

57. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12].

58. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12].

59. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12].

60. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) (Hrsg.), Diagnostik und Therapie der Essstörungen. Verfügbar unter www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-026l_S3_Diagnostik_Therapie_Essstoerungen.pdf  [30.04.12].